Renaud Garcia-Fons & Vincent Peirani Duo

Mediterraneo 20 UHR | Dorfkirche Riehen (Tramhaltestelle 6)CHF 69.— | 51.— | 33.—FESTIVAL07 | Mai | 2014TICKETS
Renaud Garcia
Renaud Garcia
Vincent Peirani
Vincent Peirani

Das Akkordeon im Jazz – Emanzipation und Herausforderung des Einmannorchesters

Das Akkordeon brauchte lange, um im Jazz anerkannt zu werden. Vermutlich war es den meisten Jazzmusikern als Verkörperung der volkstümlichen (Tanz-)Musik zu einfach, zu populär. Vielleicht lag es aber auch daran, dass das vermutlich um 1830 in Wien erfundene Instrument, das die ganze Welt eroberte, eigentlich sich selber genügt. Mit anderen Worten: Das Akkordeon ersetzt ein Orchester.
 

Richard Galliano – Der Wegbereiter

Das demonstriert keiner so souverän wie Richard Galliano, der als wichtigste Integrationsfigur des Akkordeons im Jazz gelten darf. Er hatte ein Vorbild im argentinischen Bandoneonisten Astor Piazzolla, der im Nuevo Tango eine neue Form des Tangos erfand, aber auch den Weg in den Jazz ebnete. Galliano hat durch seine Piazzolla-Projekte den Nuevo Tango verinnerlicht und weiter entwickelt. Wer sich einmal sein Solo-Konzert von 2009 in Paris angehört hat, weiss, welche Türen der Sohn italienischer Einwanderer in Südfrankreich für das Instrument im Jazz geöffnet hat. Dazu kommt, dass Galliano eine ungewöhnlich starke Emotionalität zum Ausdruck bringt, die nie im Kontrast zu seiner Virtuosität und seinem Improvisationsgenie steht. Richard Galliano tritt erstmals am Jazzfestival als Einmannorchester auf und zeigt damit, welch unbegrenzte Möglichkeiten das Akkordeons hat.
 

Luciano Biondini – Das Einmannorchester mit Orchestererfahrung

Auch der Italiener Luciano Biondini versteht sich gerne als Einmannorchester. Wer ihn schon einmal am Festival «Time in Jazz» des sardischen Trompeters Paolo Fresu im Morgengrauen an einem Bergsee hat spielen hören, konte hautnah erleben, in welche Sphären dieser Mann mit seiner grossen Intuition vordringen kann. Er hat aber auch reelle Orchestererfahrung. In den letzten Jahren hat ein so erfahrener Bigband-Dirigent wie George Gruntz Biondini den Italiener gezielt in seinem Projekt «Matterhorn Matters» eingesetzt, nachdem er mit ihm im Trio gespielt hatte. Biondini ist sich der Ausstrahlung seines Instruments als funktionales Orchester sehr bewusst, denn anders lässt sich nicht erklären, wie er unter dem Patronat von Gruntz auch starke Kompositionen für die Bigband schrieb. Gleichzeitig hat Biondini eine unerhörte Gabe als Improvisator und als Partner in diversen Formationen bewiesen, unter anderen im Duo mit Gabriele Mirabassi, Javier Girotto oder Rita Marcotulli. Die phantasievollen Variationen und die Stimmigkeit, die er im Trio mit dem Schweizer Percussionisten Lucas Niggli und dem französischen Posaunisten Michel Godard auf dem neuen Album «Mavì» zur Geltung bringt, sind einzigartig. Das ist Jazz pur, und gefällt auch Musikfreunden, die kaum wissen, was Jazz ist, weil die originale Volkstümlichkeit des Akkordeons bei aller Virtuosität dieser drei Künstler nie verloren geht. In der Gare du Nord stellt Biondini auch eine zweite Formation vor, ein Quartett mit dem Bassisten Michel Benita, dem Drummer Philippe Garcia und dem polnischen Ausnahmegeiger Adam Baldych.
 

Vincent Peirani – Die Zukunft des Akkordeons im Jazz

Konnte Biondini von der Pionierarbeit eines Galliano profitieren, so gilt das auch für Vincent Peirani, der ebenfalls in Südfrankreich aufgewachsen ist. Akkordeon spielt er seit seinem elften Lebensjahr. Nach seiner Ausbildung als Klarinettist am Konseravatorium von Paris gewann er schon 1998 als Achtzehnjähriger den Prix d’Accordéon Classique. Unmittelbar danach wandte er sich dem Jazz, später auch fernöstlichen Musiktraditionen zu. Er verdankt seinen Durchbruch im Jazz keinem geringeren als Daniel Humair, auf dessen Album «Sweet and Sour» (2011) er auch als Komponist eine wesentliche Rolle spielt. Sein Durchbruch erfolgte 2013 mit dem Album «Thrill Box», das er mit Michael Wollny, Michel Benita und Michel Portal als Gast eingespielt hat. Von der Académie du Jazz hat er– wie auch schon Richard Galliano – den Prix Django Reinhardt als bester französischer Jazzmusiker 2013 zugesprochen erhalten. Peirani ist über die französische Szene hinaus einer der gefragtesten Musiker geworden. In Basel tritt er mit einem weiteren Giganten der französischen Szene auf, dem Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons, ein Musiker nota bene, der den Charme und die metamorphische Anziehungskraft des Akkordeons schon vor vielen Jahren entdeckt hat, nicht zuletzt im Dialog mit Luciano Biondini. 


Ruedi Ankli

Renaud Garcia Fons  (bass, electronics, voice)

 

Renaud Garcia-Fons wurde 1962 in der Nähe von Paris geboren, die Eltern stammen aus der Region Katalonien im Nordosten von Spanien. Er erlernt bereits im Alter von fünf Jahren Klavier und klassische Gitarre. Als junger Mann studiert er Kontrabass am Pariser Konservatorium für Musik. Er wurde Privatschüler von François Rabbath, und durch ihn gewann er ein profundes Wissen über den Kontrabass sowie eine Einführung in die syrischen Wurzeln der Kompositionen Rabbaths. 

Als Mitglied des Orchestre de Contrebasses und später des Orchestre National de Jazz unter der Regie von Claude Barthélemy wurde sein Wissen über Jazz und Improvisation vertieft. Er kam in direkten Kontakt mit vielen führenden europäischen und US-amerikanischen Jazz-Musikern. Die Kunst der Improvisation wurde zu einem zentralen Element in seiner künstlerischen Vision.

Es gibt mehrere Quellen für seine musikalische Inspiration: Garcia-Fons fühlt sich der Flamenco Tradition nahe, die er für den Kontrabass umgesetzt hat, ebenso wie der Musik des Mittelmeers und des Orients. 

Parallel zu seiner Karriere als Musiker arbeitet Garcia-Fons als Komponist. Auf der Scène Nationale de Sceaux im Oktober 2004 präsentierte er Kammermusik, ein Stück für Streichquartett, Kontrabass und zwei Instrumente östlichen Ursprungs: der Bansuri, einer Flöte, die in der nordindischen Musik wichtig ist, und der Riq, einem kleinen Tamburin ausgestattet mit Becken, das in der arabischen Musik von Bedeutung ist. Ein Auftragswerk für das jährliche Entente Franco Ecossaise bot ihm Gelegenheit, zusammen mit Künstlern aus verschiedenen Welten zusammen zu arbeiten. Aus diesem Anlass komponierte Renaud ein Stück in fünf Sätzen für sein Trio und sieben Solisten aus dem Scottish Chamber Orchestra Tutti orchestral sequences. Zum ersten Mal kommt der grosse bass-Virtuose 2014 zu einem Solokonzert und stellt in der wunderbaren Dorfkirche Riehen seine neue CD vor. 

CD-Tipp:

Beyond the Double Bass – ENJA, 2013 solo CD/DVD

The Marcevol Concert – Solo CD/DVD, 2012



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