Guillermo Klein Orchester & Bigband

Beyond Mechanics – Orchesterprojekt & BigbandHochschule für Musik, Abteilungen Klassik und Jazz20 UHR | Volkshaus BASEL22 UHR | Big Band Hochschule für Musik – Eintritt FreiCHF 25.— | 10.— (Studenten)FESTIVAL28 | Apr | 2014TICKETS

Orchesterprojekt und Kompositionsauftrag
der Hochschule für Musik, Abteilungen Klassik und Jazz

Guillermo Klein (Leitung und Komposition)Yifu Cheng (vl)Sarah Heinz (vl)Rita Nakad (vl)Eléna Rubino (vl)Valentin Haug (vl)Vinoth Tissaveerasingham (vl)Olivier Carillier (vl)Rahel Boell (vl)Fraynni Emperatriz Rui Medina (vl)Miri Yoo (vl)Andrei Harabagiu (va)Teodor Dimitrov (va)Katharina Schick (va)Maxime Ganz (vc)Ileana Waldenmayer (vc)Yana Carolina Parra Sottas (vc)Corinna Döring (fl)Amalia Pérez (fl)Umbaia Maijstorovic (ob)Sérgio Pires (cl)Claudiu Danciu (bcl)Riccardo Papa (fg)Alessandro Viotti (hrn)Viktor Hege (tba)Esther Severac (harp)Christian Rombach (perc)Roberto Maqueda (perc)
Jazz-Section
Niko Seibold (as)Severin Jenny (as)Sebastian von Keler (ts)Fabian Willmann (ts)Gery Szax (tp)Oskar Szutenberg (tp)Christian Grässlin (tp)Adrian Mears (tb)Marc Roos (tb)Wolfgang Muthspiel (g)Jorge Rossy (vib)Tobias Schmid (vib)Roberto Koch (b)Pau Lligadas (b)Alberto Garcia Navarro (perc)Julie Fahrer (voc)Andrea Nydegger (voc)Maximilian Bischofberger (voc)


Guillermo Klein ist ein argentinischer Komponist, Arrangeur, Pianist und Sänger. Er studierte mit Maestro Sergio Hualpa und später am Berklee College of Music in Boston, U.S.A., wo er sich erstmals tiefgründig mit Jazz auseinandersetze. Er zog später nach New York und leitete dort über viele Jahre seine Gruppe «Los Guachos». Die Band veröffentlichte zahlreiche Einspielungen auf dem Sunnyside Label, die daraufhin in die New York Times Jahresbestenlisten gewählt wurden. Des weiteren ist Klein ein vielseitiger Kollaborateur – seine Zusammenarbeit mit Miguel Zenon «Alma Aidentro» wurde für einen Grammy nominiert. Klein konzertierte nicht nur an renommierten Spielorten, wie dem Village Vaguard, dem Moers Festival oder dem Newport Jazzfestival; er erhielt darüber hinaus Kompositionsaufträge vom United Nations Orchestra, der Merkin Hall und dem Axis Saxophone Quartet. Guillermo Klein ist regelmässiger Dozent für Theorie und Komposition an der Jazzabteilung der Musikhochschule Basel und unterrichtete ausserdem am Jazzinstitut Berlin, Yale University und der Sibelius-Akademie.

 

Beyond Mechanics

Die Musik des argentinische Komponisten ist mitunter von einem starken Hintergrund in der Klassik geprägt, Klein war schon früh mit der Musik von Debussy, Stravinsky und Messiaen vertraut, lange bevor er anfing im Jazz-Kontext zu komponieren. Mittlerweile ist der Jazz das Hauptgefäss für seine künstlerische Arbeit geworden, dennoch verkörpern seine Stücke oft eine Struktur und eine klangliche Sensibilität, die an die Klassik erinnern, teilweise werden sogar ganz bewusst Motive und Techniken alter und moderner Komponisten in die eigene kompositorische Sprache integriert. Das Schreiben und Arrangieren für eine Jazz Big Band -Kleins bevorzugte Instrumentierung- ist eine Herausforderung für sich. Für das am Jazzfestival Basel prämierende Projekt Beyond Mechanics vereint er ein Jazzensemble mit einem Kammerorchester.

 

Paolo Thorsen-Nagel: Was war die Hauptmotivation für die Instrumentierung für Beyond Mechanics: eine Jazzgruppe und ein Kammerorchester?

 

Guillermo Klein: Es wird ein einziges grosses Ensemble sein, eine Art Kammerorchester, dessen verschiedene Farben der Instrumentierung ich ausloten werde und auch innerhalb der grossen Besetzung kleinere Gesellschaften kreieren werde. Die Vorstellung Musiker zusammenzubringen, die aus unterschiedlichen Umfeldern kommen gefällt mir.

 

PTN: Wie bist du vorgegangen bei der Auswahl der genauen Instrumentierung? Gab es dafür Beispiel-Stücke oder Skizzen? Oder hattest Du bereits einen bestimmten Klang im Kopf bevor du zu schreiben begonnen hast?

 

GK: Eine Mischung von beidem. Ich hatte bereits Stücke für kleines Streichorchester, Blechbläserensemble oder auch Philharmoniker geschrieben, also hatte ich eine gewisse Erinnerung an den Klang und wie meine Musik in so einer Instrumentierung klingt. Dieses Ensemble sollte eine Mischung aus den eben Beschriebenen sein und zusätzlich einen improvisatorischen Aspekt verkörpern. Sowie einen narrativen Charakter, der durch die Sänger erzeugt werden wird.  

 

PTN: Im Jazz, aber auch im Pop, gab und gibt es immer wieder Versuche einer Verschmelzung einer konventionellen Band Besetzung mit einem orchestralen Klang. Oft wird das Orchester als Ausschmückung des Hauptgeschehens, der Band eingesetzt. Wie verhält es sich mit dieser Mischung in Beyond Mechanics?

 

GK: Ich arbeite nicht so, es gibt keine Band plus..., sondern einzig eine grosse Gruppe Musiker, in der sich das Ganze und seine Einzelteile die Waage halten. Es wird kein Schlagzeug geben, oft wird der Beat in der Verantwortung aller liegen. Genauso verhält es sich mit den Harmonien, es gibt keine Rhythmusgruppe im klassischen Sinn. 

 

PTN: Beyond Mechanics vereint Jazzmusiker und Spieler aus der Klassik, und damit auch zwei ganz unterschiedliche Handwerke: die Improvisation und die Interpretation eines ausgeschriebenen Notentextes. Wie hast du die zwei Gruppen organisiert, gibt es eine feste Hierarchien in der Komposition?

 

GK: Jeder wird improvisieren und jeder wird Noten lesen. Natürlich werde ich keinen der klassischen Musiker dazu anhalten wie ein Jazzmusiker zu improvisieren, genauso wenig die Sänger beten atonale Melodien zu singen....

 

PTN: In diesem, wie auch in vergangenen Projekten, spielt der Begriff Zeit eine wichtige Rolle. Du setzt dich mit ihm auf verschiedene Art und Weise auseinander, etwa durch Verwendung von Polyrhythmen, »time feels” und dem Dehnen und Straffen des Beats. Woher kommt dieser Drang und hat er für Dich eine Bedeutung, die über die musikalischen Techniken und deren Effekt hinausgeht?

 

GK: Die Bedeutung dieser Werkzeuge ändert sich, je nachdem wie sie in den verschiedenen Stücken eingesetzt sind. Sie sind definitiv ein faszinierendes Gefüge: dieses Gefühl der, sich kehrenden Zeit über einen festen Puls. Das hat etwas traumhaftes, etwas bewegendes, das ich als einzigartig empfinde. Diese Mittel sind auch ganz einfach eine Art des vernetzten Denkens.

 

PTN: Könntest du etwas über den gemeinschaftlichen Aspekt und dem Weitergeben von Wissen im Zusammenhang mit deinem jährlichen Kompositions-Seminar in Basel erzählen?

 

GK: Ich mag es meine Erfahrung weiterzugeben an die Studenten, ihnen dabei zu helfen besser zu hören, sie im Studieren zu leiten und ihnen dabei zu helfen Entscheidungen zu treffen, auch Ihre Berufung wahrzunehmen.

 

PTN: Also, geht es Dir in gewisser Weise um eine menschliche Qualität in der Musik. Ich empfinde diesen Aspekt als selbstverständliche Präsenz in deiner Arbeit. Trotz konzeptuellem Unterbau besteht immer auch eine sehr zugängliche Perspektive, etwas singbares. Wie wichtig ist Dir dieser Standpunkt aus der Sicht des Komponisten?

 

GK: Das ist eine gute Frage, denn für diese Suite verwende ich formale und rhythmische Übungen, als auch Stücke. Ohne die Stücke wären die Übungen nutzlos. Die Stücke tragen generell die Früchte dieser Übungsarbeit und sind auch der Grund warum ich das Projekt »Beyond Mechanics” benannt habe. 

 

PTN: Durch diese Übungen und Techniken gelangst du also zu einem neuen Ausdruck, einem einzigartigen Gefühl, in deiner Musik und auch ausserhalb dieser. Kann man das so sagen? Ist es das, was der Interpret und der Zuhörer aus deiner Musik mitnimmt?

 

GK: Genau so ist das nicht. Oft fängt der Prozess der Arbeit damit an, dass mir etwas einfach nur gefällt und um dem auf den Grund zu gehen, entwickelt sich daraus ein tiefgründigeres Studium der Sache, welches hoffentlich zu einem Konzept führt, das mir am Ende immer noch gefällt. Für mich ist es immer wichtig mit der Musik einen Ort zu kreieren, oft entsteht dieser durch Melodien, die Struktur ist dabei der schwierigste Teil. Ich weiss, dass ich durch die Musik selbst, Fragen, Emotionen, Denkansätze und Resultate vermitteln möchte. Wenn es dabei eine Lektion gibt, die daraus gewonnen werden kann, werden wir sie gemeinsam lernen, ich werde mein Bestes geben.

Big Band der Hochschule für Musik

Guillermo Klein (lead)Matthieu Michel (lead&tp)Silvio Buchmeier (ts)Severin Jenny (ts/as)Fabian Willmann (ts)Niko Seibold (as)Sebastian von Keler (ts)Christian Grässlin (tp)Gergö Szax (tp)Oskar-Filip Szutenberg (tp)Lukas Reinert (tb)Marc Roos (tb)Lászlo Villányi (tb)Victor Hege (tuba)Julian Dillier (p)Roberto Koch Fernández (b)Alberto García Navarro (perc)Valentin Liechti (dr)