Miles, Duke and Nick

Sinfonieorchester Basel mit Gueststar Nicholas Payton & QuartetLeitung: Dennis Russell Davies20.15 UHR | STADTCASINO BASEL | MUSIKSAALSERIES30 | Mai | 2013
Programm:
Duke Ellington: Black, Brown and Beige
Nicholas Payton: The Black American Symphony
Miles Davies/Gil Evans: Sketches of Spain

Wohl erstmals überhaupt spielt ein Schweizer Sinfonieorchester ein Programm, das ausschliesslich aus Werken afroamerikanischer Komponisten besteht. Unter seinem Chefdirigenten Dennis Russell Davies und zusammen mit dem Nicholas Payton Quartet präsentiert das Orchester drei Meilensteine des sinfonischen Jazz: Duke Ellingtons Suite ‹Black, Brown and Beige›, Miles Davis ‹Sketches of Spain› und ‹The Black American Symphony› von Nicholas Payton.

‹Black, Brown and Beige› ist das erste grosse Orchesterwerk Duke Ellingtons und wohl auch sein ambitioniertestes. Der programmatische Titel nimmt Bezug auf die Geschichte und Situation der Schwarzen in den USA. Uraufgeführt wurde die ursprünglich 50-minütige Suite am 23. Januar 1943 in Ellingtons erstem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall. Mit dem Opus meldete der Komponist den Anspruch an, dass Jazz nicht nur als Unterhaltungs-, sondern auch als Kunstmusik anerkannt wird. Die Kritiker waren sich über die Bedeutung des Werks uneinig, vom New Yorker Publikum wurde Ellington jedoch enthusiastisch gefeiert. In Basel kommt die rund 20- minütige Fassung von Maurice Peress zur Aufführung.

‹Sketches of Spain› ist eines der zugänglichsten Alben von Miles Davis. Hervorgegangen ist es aus der jahrelangen Zusammenarbeit des Jazztrompeters mit dem kongenialen kanadischen Komponisten, Pianisten und Arrangeurs Gil Evans. Das Werk baut sich um den bekannten zweiten Satz des Gitarrenkonzerts ‹Concierto de Aranjuez› von Joaquin Rodrigo auf und verarbeitet unter anderem auch ein Stück aus dem Ballett ‹El amor brujo› von Manuel de Falla. Den Solopart in der Basler Aufführung von Davis‘ ‹spanischen Skizzen› spielt der 1973 in New Orleans geborene Trompeter Nicholas Payton. Aufgewachsen im Umfeld der Marsalis – er studierte u.a. bei Ellis Marsalis, dem Vater von Wynton und Branford – spielte er früh mit Grössen wie Clark Terry, Elvin Jones und Doc Cheatham. Payton verbindet die Wärme, Geradlinigkeit und melodische Erfindungsgabe der alten New Orleans-Stilistik mit den Errungenschaften von Miles Davis und der Avantgarde.

Nicholas Payton ist zugleich der Komponist des dritten Programmpunktes. Wie Ellingtons ‹Black, Brown and Beige› ist auch Paytons ‹The Black American Symphony› für Sinfonieorchester und Jazz-Quartett eine ambitionierte musikalische Auseinandersetzung mit dem afroamerikanischen Erbe. Ziel des Werks sei, so Payton, den Beitrag der Schwarzen Amerikanischen Musik an die Weltkultur zu verdeutlichen. Payton versteht die einzelnen Formen afroamerikanischer Musik (Blues, Gospel, Jazz, Rhythm & Blues, Hiphop etc.) nicht als unterschiedliche, abgrenzbare Genres, sondern vielmehr als Teil eines grossen Kontinuums. Entsprechend bietet er in seinem Orchesterwerk eine Art Panoptikum der Black American Music. Die ‹Black American Symphony› wurde am 16. Juni 2012 in Prag uraufgeführt.

NicholasPayton
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